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Können

Mathematik gilt als unbestechlich und gnadenlos: Wissenslücken können kaum mit Eloquenz überbrückt werden, wie es in anderen Schulfächern gerne versucht wird.

In ihrem Buch »Wie alt ist der Kapitän? Über den Irrtum in der Mathematik« zieht die Mathematikerin Stella Baruk die ernüchternde Bilanz: »Eine erdrückende Mehrheit der Schüler versteht in Mathematik nichts, aber auch gar nichts.«

Selbst korrekte Antworten beweisen nicht unbedingt mathematisches Verständnis. Gerhard Lauth, Matthias Grünke und Joachim Brunstein warnen: »Kinder ohne ausrechend elaborierte Rechenfähigkeiten können die Einzelschritte vorgegebener Additions-, Subtraktions-, Multiplikations- oder Divisionsaufgaben zwar oft ›mechanisch‹ und dabei sogar korrekt ausführen. Allerdings fehlt ihnen die Kompetenz, solche Fragestellungen erfolgreich zu bearbeiten, bei denen es darauf ankommt zu erkennen, welche Teilschritte und mathematischen Operationen jeweils zum Ziel führen.«

Lernen ohne Sinn ist mühsam und fehleranfällig. »Dass einem Mädchen oder Jungen ein vertieftes mathematisches Verständnis fehlt, wird in der Schule oft erst dann bemerkt, wenn Textaufgaben bearbeitet werden müssen.«

Beim Rechnen zeigen Kinder wie auch Erwachsene wesentlich bessere Leistungen, wenn ihnen Zahlen und Rechenvorgänge etwas bedeuten. Dies konnte Jean Lave mit dem »Adult Maths Project« zeigen: Sie untersuchte in einem einfallsreichen Experiment, wie Menschen im Supermarkt Preisvergleiche durchführen.

Die Forscher*innen beobachteten etwa 800 Einkäufe von 25 Supermarktkund*innen und befragten sie zu ihren Entscheidungen. Anschließend wurde ein Rechentest durchgeführt, mit dem die gleichen mathematischen Fähigkeiten getestet wurden, die bereits im Supermarkt gefordert waren. Dabei scheiterten viele Versuchspersonen an Aufgaben, die sie während ihres Einkaufs problemlos lösen konnten.

Erst als die Forscher auf die tatsächlichen Einkaufserfahrungen Bezug nahmen, also quasi die Befragten in der Vorstellung an den Regalen entlangführten, zeigten sie wieder ähnlich gute Leistungen wie im Supermarkt. Erst unter diesen Umständen ist es ihnen gelungen, ihr Können abzurufen und zu zeigen.

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