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Wissenschaftsgeschichten

Merktechniken helfen, so viele Nachkommastellen der Kreiszahl Pi auswendig zu lernen, wie der Ehrgeiz begehrt. Das funktioniert sogar, wenn man keine Ahnung von Pi hat. Wissenschaftliche Erkenntnisse lassen sich dagegen besser behalten, wenn sie anschaulich präsentiert und verstanden werden. Dafür eignen sich Geschichten, die zwar die Komplexität reduzieren, sich aber dadurch gut merken und weitererzählen lassen. Wenn erst einmal das Prinzip verstanden ist, können Details nach und nach hinzugefügt werden. 

Niemand würde behaupten, dass es an Informationen über Viren mangelt. Oder über den Klimawandel. Es ist eher das Verständnis, das fehlt. Der Biophysiker Dr. Markus Gyger trägt zum besseren Verständnis von Wissenschaft bei: Er unterstützt Wissenschaftler*innen dabei, ihr Fachwissen so zu formulieren, dass es bei Kolleg*innen und Laien ankommt. Gerade für Virolog*innen und Klimaforscher*innen ist das relevant, da sie auf Verhaltensänderungen in der Bevölkerung hoffen und gleichzeitig als Wissenschaftler*innen erstgenommen werden wollen. 

Für seriöse Wissenschaftler*innen ist es üblich, in Veröffentlichungen Angaben zu Messfehlern zu machen, zu Fehlerfortpflanzungen und Unsicherheiten in den Messungen. Für Laien klingt das nicht unbedingt vertrauenerweckend: »Du bist also unsicher und hast auch noch falsch gemessen?« 

Doch ganz eindeutig ist die Unterscheidung zwischen Laien und Fachkolleg*innen ohnehin nicht: Sogar bei Fachvorträgen ist das Publikum heterogen. Wenn in einem Vortrag zur Biophysik Biolog*innen neben Physiker*innen sitzen, sind möglicherweise Informationen für die einen altbekannt und für die anderen unverständlich. Eine originelle Darstellung hilft dann den einen beim Verständnis, und die anderen haben zwar kein neues Wissen erworben, aber Anregungen bekommen, wie sie die Inhalte in Zukunft erklären können. Beide lernen also etwas, aber etwas Unterschiedliches.  

Markus Gyger schlägt eine Analogie vor, um zu veranschaulichen, wie Viren Teile eines Zellkerns mit dem eigenen Erbgut ersetzen, so dass die betroffene Körperzelle neue Viren produziert:

Geheimagenten schleichen sich in eine Autofabrik und tauschen die Baupläne aus: Die Anleitungen für Autos gegen Anleitungen für Kampfroboter, die sich in weitere Fabriken einschleichen und dort ebenfalls die Baupläne austauschen. Plötzlich produzieren die Arbeiter*innen Kampfroboter, ohne es zu merken. 

Der kanadische Journalist Malcolm Gladwell vergleicht nüchterne Informationen mit einer sättigenden Mahlzeit und empfiehlt, den Leser*innen oder Zuhörer*innen zusätzlich Candies mitzugeben: Die verblüffenden und anschaulichen Erkenntnisse zum Weitererzählen. Wusstet Ihr eigentlich, dass Viren wie Geheimagenten vorgehen, die sich in Autofabriken schleichen…?

Wir freuen uns auf Anregung und Empfehlungen von Lehrenden und Lernenden (wer ist das nicht?!) per Mail oder einfach hier im Kommentarfeld.

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