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Klimaschutz

Als der Wirtschaftspsychologe Thomas Brudermann im Jahr 2011 eine Einladung nach New York bekam, zur Konferenz für nachhaltige Entwicklung, freute er sich auf »Diskussionen mit internationalen Spitzenforscherinnen. Es war wohl eine der ernüchterndsten Erfahrungen meiner jungen akademischen Karriere. Die Konferenz fand bei angenehmen Mai-Temperaturen in völlig unnötig auf 18 Grad Celsius heruntergekühlten Hörsälen und Seminarräumen statt. Beim Pausenbuffet gab es Thunfischsandwiches und Rindfleischhäppchen. Die zuckerhaltigen Erfrischungsgetränke wurden in Mini-Aluminiumdosen bereitgestellt.«

Er bezeichnete die Veranstaltung als »scheinheilige Nachhaltigkeitskonferenz« und beschäftigte sich anschließend an der Universität Graz mit der Diskrepanz zwischen Anspruch und Handeln. Zehn Jahre später schrieb Thomas Brudermann ein Buch mit dem Titel »Die Kunst der Ausrede. Warum wir uns lieber selbst täuschen, statt klimafreundlich zu leben.« Wieso wünschen wir uns zwar gute Luft, gesunde Wälder und saubere Flüsse, treffen aber so selten klimafreundliche Entscheidungen? »Zwischen unseren Einstellungen und Verhaltensweisen klafft mitunter eine größere Lücke als zwischen den Versprechen einer Partei vor der Wahl und dem tatsächlichen umgesetzten Regierungsprogramm nach der Wahl.«

Fünfundzwanzig Ausreden wie »Es ist zu spät«, »Es ist zu komplex«, »Ich bin bequem« dienen als Kapitelüberschriften und werden ausführlich betrachtet. »Wenn wir trotz unserer klimafreundlichen Einstellung klimaschädlich handeln und dabei ein gutes Gewissen behalten, dann reiht sich das lediglich in eine lange Liste von inneren Widersprüchen, Wahrnehmungsverzerrungen und irrationalen Entscheidungen ein.«

Von den Wahrnehmungsverzerrungen existieren so viele, dass sie nicht aufgelistet werden. Thomas Brudermann zieh ein unschmeichelhaftes Fazit zusammen: »An die 200 solcher Wahrnehmungsverzerrungen wurden von der Verhaltensökonomie dokumentiert. Die höfliche Kurzzusammenfassung lautet: Wir Menschen sind nicht ganz so smart, wie wir glauben.«

Doch auch menschliche Stärken helfen nicht unbedingt bei einer Verhaltensänderung. »Als Menschen haben wir ein erstaunliches Talent dafür, Widersprüche in unserem Denken und Handeln zu ignorieren, aufzulösen oder achselzuckend zur Kenntnis zu nehmen.«

Was sollen die Leser*innen mit dieser Auswahl anfangen? »Es obliegt Ihnen selbst, was Sie mit den hier angebotenen Ausreden für unsere kleinen Klimasünden machen: Eine naheliegende Möglichkeit ist, dass Sie Ihr Repertoire an Selbstbetrugs-Skills erweitern und Ihre Fertigkeiten in der Kunst der Ausrede perfektionieren. Dank der Lektüre dieses Buchs werden Sie für jede erdenkliche Entscheidung einen perfekten Vorwand parat haben (bitte, gern geschehen).«

Doch auch die beste Ausrede lässt sich noch optimieren. Deshalb ruft Thomas Brudermann dazu auf, seine Ausredensammlung zu vergrößern und auf www.klimapsychologie.com weitere Glanzlichter einzusenden.

Wir freuen uns auf Anregung und Empfehlungen von Lehrenden und Lernenden (wer ist das nicht?!) per Mail oder einfach hier im Kommentarfeld.

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