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Kreativität

Der Schauspieler John Cleese ist bekannt als kränkbarer Hausgeist von Gryffindor oder biederer Anwalt Archie Leach (»A Fish Called Wanda«), vor allem aber als Mitglied der britischen Komikergruppe Monty Python. Im Jahr 2018 nannte er seine Tournee »Last time to see me before I die«, doch er blieb lebendig und aktiv genug, um eine Ode an die Kreativität zu schreiben: »Kreativ sein und anders denken.«

Seine Definition von Kreativität beschränkt sich nicht auf Musik, Malerei oder Schauspiel: »Wo immer man Wege findet, Dinge besser zu machen, als sie zuvor gemacht wurden, ist Kreativität im Spiel.«

Ein Buch darüber wäre zwar vielleicht unterhaltsam, aber nicht besonders hilfreich, wenn Kreativität ein unveränderbares Talent wäre. »Ein Mythos lautet, dass dem einen Kreativität in die Wiege gelegt wird, dem anderen nicht. Das ist verkehrt. Jeder kann kreativ sein.«

Kreativität passiert, wenn das Gehirn unbewusst an etwas arbeitet. »Nun ist das Problem mit dem Begriff ›unbewusst‹, dass er in vielerlei Hinsicht immer gleich auf Sigmund Freud und die Psychoanalyse verweist. Für Freud war ›das Unbewusste‹ eine Art Mülleimer, in dem man all seine fiesen Gedanken und Gefühle entsorgt, die einem Angst machen oder peinlich sind. Man drückt verzweifelt den Deckel drauf, bis einem die Puste ausgeht, und dann kommt der Nervenzusammenbruch.«

Doch gerade die ziellose und verspielte Denkweise führt zu schöpferischen Ideen – und sollte nicht gestört werden: »Der größte Kreativitätskiller ist die Unterbrechung. Sie reißt Sie aus allem heraus, worüber Sie nachdenken wollen.«

Das gilt nicht nur für äußere Unterbrechungen. »Die vielleicht größte Störung, die aus Ihrem Inneren entsteht, entspringt der Angst, Fehler zu machen. So etwas kann einen lähmen. ›Oh‹, sagen Sie zu sich selbst, ›in diese Richtung denke ich besser nicht, weil das FALSCH sein könnte.‹ Seien Sie versichert: Wenn Sie kreativ sind, dann gibt es so etwas wie Fehler nicht.«

Zu Beginn schießen abwegige Gedanken durch den Kopf. »Mag sein, dass Sie sich beim ersten Versuch dabei ertappen, wie Sie denken: ›Oh, ich hab ganz vergessen, Tom anzurufen!‹ Und dann fällt Ihnen ein, dass Sie Ihrer Katze noch kein Geburtstagsgeschenk gekauft haben.«

Irgendwann wird es gelingen, die inneren und äußeren Störungen loszuwerden. »Sie sitzen also einfach da, irgendwann wird es im Kopf ganz still, und dann tauchen auf einmal komische Gedanken und Ideen auf, die mit Ihrem Thema zusammenhängen. Aber nun sind die… komisch!«

Genau das macht Kreativität aus. »Wenn wir versuchen, kreativ zu sein, ist dieser Prozess in weiten Teilen von einem echten Mangel an Klarheit geprägt. Unser rationaler, analytischer Geist liebt diese Klarheit – er betet sie regelrecht an. Doch zu Beginn des Kreativprozesses kann es keine Klarheit geben. Da muss es verwirrend sein. Wenn es sich um eine neue Idee handelt – wie sollten wir sie auch sofort verstehen? Die Idee hatten wir doch noch nie! Sie fühlt sich unvertraut an.«

Schließlich kommt auch wieder das logische Denken ins Spiel. Entscheidend ist jedoch die zeitliche Abfolge. »Möglich, dass Ihre Idee sowohl gute als auch nicht so gute Elemente enthält. Wenn das der Fall sein sollte und sobald Sie mittels logischen Denkens herausgefunden haben, welche Teile Sie beibehalten und welche Sie über Bord werfen wollen, können Sie wieder in den Kreativmodus schalten und an die guten Anteile anknüpfen. Trotzdem ist es wesentlich, dass Sie bei einer neuen Idee nicht allzu schnell allzu kritisch mit sich sind. Ihr logisches Denken sollte Ihre neuen und ›unfertigen‹ Ideen erst unter Beschuss nehmen, sobald sie Zeit hatten zu reifen und klarer und robuster geworden sind. Neue Ideen sind wie Pflänzchen – im Handumdrehen sind sie verkümmert.«

In seinem Film »Ein Fisch namens Wanda« klagt John Cleese: »Hast Du überhaupt eine Vorstellung, was es bedeutet Engländer zu sein? In allem mußt du furchtbar korrekt sein, so steif in der ständigen Angst, das Falsche zu tun.« Kreativität ähnelt dagegen eher dem empfindlichen und etwas flatterhaften Hausgeist, dem Fast Kopflosen Nick. Der will mit Fingerspitzengefühl behandelt werden.

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