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Grafiken

Die indische Wissenschaftlerin Sabah Ibrahim staunt über ein Schaubild zur Durchschnittsgröße von Frauen verschiedener Länder: Neben der Riesenlettin sieht die Inderin aus wie eine Zwergin.

Sie beschreibt auf Twitter, wie sie sich vor der furchteinflößenden Bande der internationalen Riesinnen und ihrer lettischen Anführerin versteckt.

Wie kommt es zu dieser irreführenden Darstellung?

In ihrem Buch »Lügen mit Zahlen. Wie wir mit Statistiken manipuliert werden« warnen Gerd Bosbach und Jens Jürgen Korff: »Ein Bild lügt schneller als tausend Zahlen.« Sie empfehlen, die Achsen zu betrachten: Beginnt die y-Achse bei 0 und sind die Achsen gleichmäßig aufgeteilt? Und: »Vorsicht bei 3D-Darstellungen: Jeder neue Blickwinkel erzeugt einen anderen Eindruck. Ein Gebirge von weit oben betrachtet wirkt flach, ein kleiner Hügel von schräg unten betrachtet wirkt groß. Dreidimensionale Bilder sind abwechslungsreicher, aber fast beliebig manipulierbar.«

Werden bei Flächen- und Körperdarstellung die Proportionen beachtet? Wenn die Seiten verdoppelt werden, wird der Flächeninhalt vervierfacht und der Rauminhalt verachtfacht. Im Säulendiagramm wirkt die Lettin gleich viel weniger bedrohlich.

Gerd Bosbach und Jens Jürgen Korff beschreiben das Bedürfnis vielen Menschen, die wichtigsten Aussagen eines Texts mit einem Blick aufnehmen. »Es verführt viele interessierte Verbände, Institute und Politiker dazu, ihre oft ohnehin schon verzerrten Zahlen optisch noch stärker in die gewünschte Richtung zu frisieren.«

Grafiken besitzen durch ihre scheinbar objektive Darstellung ein hohes Ansehen, das mit bekannten Tricks ausgenutzt wird. »Da werden Achsen gnadenlos abgeschnitten, Skalen auseinandergezogen, Flächen und Symbole im Vergleich vervierfacht oder gar verachtfacht statt verdoppelt und oszilliernde Kurven in Raketen verwandelt. Alles nur, damit sich die Augen der Betrachter wie beim Tunnelblick eines Betrunkenen auf den kleinen Ausschnitt konzentrieren, den die Macher der Grafik in den Vordergrund stellen möchten, weil er ihre Argumentationen stützt.«

Wer schon einmal eine Inderin oder Australierin getroffen hat, kann erkennen, wie abwegig das Schaubild ist. Die Beispiele im Buch von Gerd Bosbach und Jens Jürgen Korff sind weniger offensichtlich: Bei den Gesundheitskosten, Arbeitslosenzahlen oder Sozialausgaben sind die Scheinriesen weniger leicht zu erkennen.

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