unumkehr.bar

Spoiler

Krimifans wissen genau, wie sie den perfekten Mord begehen würden. Deshalb wäre es unklug, sie zu provozieren und ihnen ungefragt das Ende ihrer Lektüre zu verraten, bevor sie es selbst herausgefunden haben. Auch der Rat »Du kannst das doch einfach wieder vergessen!«, kommt nicht gut an. Selbst Menschen, die sich regelmäßig über ihr schlechtes Gedächtnis beklagen, können genau das nicht: Was einmal verstanden wurde, lässt sich kaum wieder aus dem Gedächtnis vertreiben. Die Spannung ist verdorben.  

In seinem Buch »Das neue Lernen heißt verstehen« schreibt Henning Beck: »Wenn man ein Wort bloß gelernt hat, kann man es auch wieder vergessen. Das ist bei selbst entwickelten Denkmodellen nicht so leicht. Dies bestätigen zahlreiche Tests, bei denen man genau das untersucht hat. Die Klassiker in der psychologischen Forschung sind die sogenannten Einsichtsexperimente.«

Zum Beispiel sollen diese drei Begriffe durch einen vierten zu drei sinnvollen Wörtern ergänzt werden:

lehr-
merk-
-geld 

Richtig, es muss lehr-bar heißen, merk-bar und Bar-geld. Diese drei Begriffe ein weiteres Mal zu präsentieren, wäre so langweilig wie der Krimi mit dem vorweggenommenen Ende. 

Ein neues Denkmodell ist irreversibel und die Einsicht kann nicht rückgängig gemacht werden. »Wenn wir sagen, dass wir etwas verstanden haben, dann meinen wir meistens, dass wir wissen, warum oder wozu etwas so ist, wie es ist. Schon in diesem kurzen Satz stecken mehrere Eigenschaften des Verstehens: Erstens erfolgt es plötzlich und unumkehrbar. Verstehen ist ein Alles-oder-nichts-Prozess, denn wenn man einmal etwas verstanden hat, kann man es nicht wieder ent-verstehen. Zweitens erkennt man ein Ursache-Wirkungs-Prinzip in einem Sachverhalt (also den Grund oder den Zweck einer Sache). Und drittens bauen wir damit ein gedankliches Modell auf.«

Wie also kann man Wissen vermitteln? Eigentlich gar nicht, denn Wissen bedeutet, sich ganz individuell Informationen anzueignen. Also wird das Wissen nicht vermittelt, sondern die Lernenden werden in die Lage versetzt, sich selbst Wissen aufzubauen und gedankliche Modelle zu entwickeln. 

Ausdauerndes und plumpes Darbieten einer Information nennt Henning Beck die »Holzhammermethode«. Das ist anschaulicher als der Fachbegriff »explicit learning«. Im Alltag dagegen lernen wir selten explizit, sondern eher durch »Lernen im Vorbeigehen« und oft reicht ein einziges Lernereignis. Erforscht wurde das mit exotischen Früchten. Einer Gruppe wurde die Noni-Frucht im Holzhammermodus präsentiert: »Das ist eine Noni-Frucht. Sieh sie dir an und merk sie dir. Nicht vergessen: Noni-Frucht!« Lernen mit Ausrufezeichen! Eine andere Gruppe bekam dagegen ein Fragezeichen zu sehen, am Ende der Frage: »Welche ist die Noni-Frucht?« Die Frage ließ sich leicht beantworten, denn auf dem Bild war nur eine einzige unbekannte Frucht zu sehen. Das Ergebnis des Experiments war uneindeutig und nicht unbedingt auf Alltagslernen übertragbar. Eindeutig beurteilt Henning Beck dagegen das Ergebnis seines Geschmackstests.

Spoileralarm: Die Noni-Frucht ist nicht zu empfehlen. 

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