unüberhör.bar

Aussprache

Nach seiner Welttoutnee kehrt der gestresste Stardirigent Daniel Daréus in sein Heimatdorf nach Nordschweden zurück. Die Bewohner*innen wundern sich über den prominenten Nachbarn und fragen nach den Beweggründen für seine Rückkehr: »Ich habe vor zuzuhören.« Der schwedische Film »Wie im Himmel« (Så som i himmelen) handelt von Chormusik, doch das Motto »Alles geht bloß darum, dass wir zuhören« gilt nicht nur für den Gesang.

Vera Birkenbihl plädiert in ihrem Buch »Sprachenlernen leichtgemacht!« für das Zuhören: »Im normalen Unterricht wird der Lernende in der Regel viel zu früh gezwungen, ihm noch unvertraute Laute auszusprechen. Dies ist m.E. eine der Hauptursachen für einen starken Akzent. Je mehr die Lernenden im Unterricht selber sprechen müssen, desto mehr ›falsche Vorbilder‹ schafft die Gruppe. Hört der Lernwillige seine Mitlerner nämlich häufig falsch sprechen, werden (da ja Lernen weitgehend auf Imitation beruht) hier von Anfang an die Weichen für Fehler in der Zukunft gestellt.« Vorbilder sind idealerweise Muttersprachler*innen.

Sie beschreibt, wie sie trotz deutscher Muttersprache unfreiwillig einen amerikanischen Akzent erwarb: »Übrigens ging es mir mit Französisch so: Ich hatte diese Sprache in den USA auf der Universität gelernt. Ohne dass mir das damals bewusst wurde, habe ich den amerikanischen Akzent meiner Kommilitonen dermaßen stark übernommen, dass bei meinem ersten Frankreichbesuch jeder sofort ausrief: ›Ah, Sie sind Amerikanerin?‹«

Sprachforscher*innen der Universität in Stockholm untersuchten Schwed*innen, die schon lange in Frankreich lebten. Sie alle hatten erst als Erwachsene die französische Sprache erlernt und sprachen sie auf unterschiedlichem Niveau.

Die Französischprofessorin Fanny Forsberg Lundell staunte über das Ergebnis: Introvertierte zeigten eine bessere Aussprache als Extrovertierte, obwohl man von denen mehr Sprachpraxis erwarten würde. Doch offenbar ist das Zuhören entscheidend für eine gute Aussprache.

Kognitive Faktoren wie Sprachbegabung spielen ebenfalls eine Rolle und lassen sich nicht willentlich beeinflussen. Persönlichkeitseigenschaften auch nicht, aber zuhören können alle.

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