unverein.bar

Multitasking

»Nirgendwo ist der, der überall ist«, warnte der römische Philosoph Lucius Seneca – etwa 2000 Jahre, bevor Smartphones die Aufmerksamkeit überallhin lockten.

Der Begriff »Multitasking« hat seinen Ursprung tatsächlich in der Computertechnik. Die Definition im Oxford English Dictionary lautet:

»Multitasking: [Substantiv]

1. Gleichzeitige Ausführung mehrerer Programme oder Aufgaben durch einen Prozessor.
2. Ausführung mehrerer Aufgaben zu ein und demselben Zeitpunkt durch ein und dieselbe Person.«

Während Computer tatsächlich in der Lage sind, mehrere Programme gleichzeitig auszuführen, glaubt der Neurowissenschaftler Eyal Ophir, dass menschliches Multitasking gar nicht möglich sei:

»Menschen betreiben in Wahrheit kein Multitasking. Sie betreiben Taskswitching, indem sie sehr rasch zwischen Aufgaben hin und her wechseln.« Das klingt nach Selbstbetrug. Und Zeitverschwendung.

Die Autorin Devora Zack gibt ihren Büchern originelle Titel wie »Führung für Führungshasser« oder »Networking für Networkinghasser«. Mit ihrem Buch »Die Multitasking-Falle« will sie dagegen nicht die Multitaskinghasser*innen vom Multitasking überzeugen, sondern wählte im Gegenteil den Untertitel: »Warum wir nicht alles gleichzeitig können«.

Sich selbst bezeichnet sie als Frau Singletasking in Person – doch sogar sie ertappt sich dabei, wie sie nicht bei einer Aufgabe bleibt: »Die Versuchung, sich dem Multitasking hinzugeben, ist umso größer, je mehr wir das Gefühl haben, nur den vermeintlichen Anforderungen und Erwartungen anderer Genüge zu leisten, anstatt unseren eigenen Prioritäten zu folgen.«

Devora Zack widerlegt die Vorurteile über das Singletasking: »Singletasking ist nicht gleichbedeutend mit ineffizienter Trödelei oder stumpfsinniger Bummelei. Es bedeutet nicht, dass wir jedes Blatt Papier einzeln zum Büroschredder tragen.«

Multitasking dagegen sei der falsche Weg: »Singletasking ist kein Luxus; es ist eine Notwendigkeit. Wir leisten viel mehr, solange wir uns immer nur mit einer Sache zugleich beschäftigen.« 

Der Neurologe David Meyer schreibt: »Unter den meisten Umständen ist das Gehirn schlicht nicht in der Lage, zwei komplexe Aufgaben gleichzeitig auszuführen. Das ist nur dann möglich, wenn beide Aufgaben sehr einfach sind und nicht um dieselben mentalen Ressourcen wetteifern.«

Devora Zack stellt dem vermuteten »gemurmelten Protest aus dem Munde irregeleiteter, aber wohlmeinender Multitasking-Verfechter« ihre eigene »höfliche, aber bestimmte Antwort« gegenüber:

Der Protest: »Es ist albern zu behaupten, ich verstünde mich nicht aufs Multitasking. Mit Musik kann ich noch besser trainieren als ohne.«

Die Antwort: »Das Gehirn kann zwei Aufgaben gleichzeitig meistern, wenn eine oder beide keine bewusste Gedankenarbeit erfordern. Das fällt dann aber nicht unter die Definition Multitasking.«

Eine weniger höfliche Antwort wäre: Zerstückelte Aufmerksamkeit bringt zerstückelte Ergebnisse. Wer Multitasking versucht, unterbricht sich ständig selbst und ist überall und nirgendwo. Das wusste sogar schon Lucius Seneca.

Wir freuen uns auf Anregung und Empfehlungen von Lehrenden und Lernenden (wer ist das nicht?!) per Mail oder einfach hier im Kommentarfeld.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.