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Mindmaps

»Wer lesen kann, ist klar im Vorteil« – der Spruch wird am liebsten verwendet, wenn der Vorteil des Lesens offensichtlich ist, aber nicht genutzt wird. Jemand drückt gegen die Tür, auf der ein Schild zum Ziehen auffordert. Sieht man doch!

Beim »Stroop-Interferenz-Test« ist es dagegen ein Nachteil, lesen zu können. Wer die Definition lesen kann, ist möglicherweise erst einmal verwirrt: »Der Stroop-Interferenz-Test ist ein Verfahren zur Messung der individuellen Interferenzneigung bei der Farb-Wort-Interferenz.« Gemeint ist jedoch etwas ziemlich Einfaches:

Es ist einfach, Grundfarben zu erkennen.

Es ist einfach, Farbwörter zu lesen.

Schwierig wird es bei abweichenden Farben, wenn also das Wort »BLAU« in roter Farbe geschrieben ist oder das Wort »GRÜN« mit gelben Buchstaben.

Versuchspersonen reagieren verlangsamt, wenn sie den Wortinhalt ignorieren und die Farbe der Buchstaben nennen sollen. Offenbar stört der Leseinhalt und lässt sich kaum unterdrücken. Wer lesen kann, ist dadurch klar im Nachteil.

John Ridley Stroops Experiment illustriert ein Vorgehen, das unserer Denkweise widerspricht. Der britische Autor Tony Buzan wünschte sich das Gegenteil: »Ich suchte etwas, das die Abläufe der Natur und die natürlichen Arbeitsprozesse des Gehirns widerspiegelte, anstatt den menschlichen Geist zu zwingen, entgegen der eigenen Funktionsweise zu arbeiten.« Und so entwickelt er die Mind-Map-Methode.

Dafür benötigt man nicht viel:

  • ein unliniertes Blatt Papier
  • Bleistifte und Farbstifte
  • ein Gehirn und
  • viel Fantasie.

Die Farben setzt Tony Buzan anders als im Stroop-Test zur Unterstützung ein: »Mit einer Mind Map kann eine lange Liste mit öder Information in ein buntes, einprägsames, klar strukturiertes Schema verwandelt werden, das so gelesen werden kann, wie es der natürlichen Funktionsweise Ihres Gehirns entspricht.«

Wofür wird dieses Wunderwerkzeug verwendet? »Eine Mind Map ist die einfachste Art, Informationen in Ihr Gehirn hineinzubekommen und Informationen aus Ihrem Gehirn herauszubekommen.«

Wer Mind Maps kann, ist klar im Vorteil – doch das Wissen reicht noch nicht aus, sondern erst der wiederholte Einsatz hilft beim Lernen und Erinnern: »Mind Maps ermöglichen Ihnen, das Thema in den Griff zu bekommen, noch bevor Sie zu lernen beginnen, und liefern Ihnen gleichzeitig eine fantastische Lernhilfe, auf die Sie Bezug nehmen können.«

Mit Mind Maps werden beim Lernen neue Informationen mit bereits vorhandenen Inhalten verknüpft. Das macht es einfach, neues Wissen aufzunehmen und auch darauf zuzugreifen. Ganze Bücher können als Mind Maps dargestellt werden.

Die Kapitelüberschriften benennen die Äste, und beim Lesen werden Details hinzugefügt, egal in welcher Reihenfolge das Buch gelesen wird. »Wenn Sie später die Mind Map eines Buches erneut betrachten, werden in Ihnen auf der Stelle enorme Mengen an Information wachgerufen. Sie können sich das vorstellen, wie das Aufschlagen eines Fotoalbums: Jedes der Bilder löst augenblicklich die Erinnerung an einen ganzen Berg von Informationen aus.«

Wenn Notizen einfache Inhalte kompliziert machen, sollen Mind Maps Klarheit schaffen. »Die Zeilen in den herkömmlichen Notizen sind wie Gitterstäbe von Gefängniszellen, in denen die unendlichen kreativen Fähigkeiten Ihres Gehirns ein Leben lang eingesperrt bleiben. Es sei denn, Sie befreien sie durch Mind Maps.«

… und bitte beachten: Auf der Gefängnistür steht »Ziehen«. In bunten Farben. Nicht zu übersehen.

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