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Veganuary Teil 3

In der Sitcom »The Big Bang Theory« mault der unscheinbare Physiker Leonard, er wolle für seine Verlobte nicht wie ein fettfreier Vollkornmuffin sein, der nur aus Vernunft gewählt wird.

Das Image »vernünftig aber fad« klebt auch an veganer Ernährung wie fettfreier Vollkornteig. Da klingt es verlockend, wenn der Journalist Yngve Ekern eine Autorin veganer Kochbücher mit den Worten beschreibt: »Menschlich ist Mari ein richtiger Cupcake.«

Im Internet und auf Papier werden wir mit austauschbaren Rezepten überflutet. Mari Hult dagegen begleitet ihre Leser*innen von den vorsichtigen veganen Anfängen bis zur Meisterschaft und illustriert diese Entwicklung nicht nur mit Fotos aus ihrer schönen norwegischen Heimat, sondern auch mit Geschichten über Freund*innen, die sie bekocht oder über ihre Oma, die immer einen Blumenkohl vom Einkaufen mitbrachte.

Deshalb enthält das Buch »Vegan krass lecker« zahlreiche Blumenkohlgerichte. Ein Zutatenverzeichnis am Ende des Buchs hilft dabei, Rezepte für die Lebensmittel zu finden, die man aus Gewohnheit oder Neugier gekauft hat. Die Blumenkohlsuppe entspricht den Erwartungen, allerdings mit der überzeugenden Warnung versehen: »Kaufe niemals – ich betone: NIEMALS – Blumenkohlsuppe in der Tüte.« Aber auch Überraschendes wie Blumenkohlbrownies sind dort zu finden.

»›Wie schaffst du es, ohne Ei zu backen?‹, ist eine Frage, die mir sehr oft gestellt wird. Viel zu lange war Gebäck ohne Ei gleichbedeutend mit steinhartem Kastenkuchen und bröseligem Obstkuchen. Eier übernehmen beim Backen viele Funktionen. Sie können das Aufgehen des Teigs unterstützen, den Teig binden und ihn schön saftig machen. Doch zum Glück haben wir dafür auch noch andere Tricks auf Lager. In diesem Rezept verwenden wir Backpulver als Triebmittel, Apfelmus, um den Teig zu binden, und Blumenkohl – ja, BLUMENKOHL -, um den Brownies ihre typische Saftigkeit zu verleihen.« Wer hätte von diesem unterschätzten Gemüse eine solche Vielseitigkeit erwartet?

Unterschiedliche Ängste können einer veganen Ernährung im Wege stehen. Dazu gehört die Befürchtung, beim Nachtisch auf fade Vollkornmuffins beschränkt zu sein: »Das Schlimmste daran, Veganer zu werden, ist die Angst, niemals wieder Desserts essen zu können. Die süßen Kleinigkeiten sind schließlich das Beste überhaupt, und die meisten von uns leben in dem Glauben, dass es unmöglich ist, gute Desserts ohne Ei, Sahne und Butter herzustellen.«

Je nach Wohnort und Kunstfertigkeit beim Kochen bereiten außerdem die Schwierigkeiten bei der Beschaffung der Lebensmittel oder bei der Zubereitung Sorgen.

Die Autorin Sarah Archer spottet über Kochsendungen in Zeiten des Lockdowns: »Heute zeige ich euch, wie man mit Zutaten kochen kann, die alle in ihrer Speisekammer haben, da ihr ja nicht einkaufen dürft. Ich beginne mit Madagaskar-Vanille, Hanfmilch und der Feder eines Dodos.«

Solange also die Dodofedergeschäfte geschlossen sind, müssen wir auf die Produkte zurückgreifen, die wir in herkömmlichen Lebensmittelläden finden:  »Das erste Kapitel ist so gestaltet, dass du alles, was du an Zutaten brauchst, im Laden um die Ecke bekommen solltest. Dann machen wir einfach einen Schritt nach dem anderen. Es ist wie das Laufenlernen. Bevor du dich’s versiehst, rennst du schon mit dem Cappuccinobecher in der Hand dem Bus hinterher.« 

Mari selbst sieht es positiv, dass sie abseits der Metropolen nicht alle Zutaten findet, denn so habe sie gelernt zu improvisieren und vieles selbst herzustellen. Auch bei der Auskunft über die verwendeten Inhaltsstoffe ist sie flexibel. 

Als ihre Mutter eine Low-Carb-Diät einhalten wollte, griff Mari auf Notlügen zurück, um ihr die Samosas aus Weizenmehl und Kartoffeln schmackhaft zu machen: »›Nein, nein, Weizenmehl und Kartoffeln sind da nicht drin!‹ Natürlich flog die Sache auf. Aber Samosas sind so gut, dass meine Eltern meine Kohlenhydratbomben trotzdem bis zum letzten Krümel aufaßen.« Garantiert ohne vernünftiges Vollkornmehl.

Guten Appetit im Veganuary!

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