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Leseratten

Dass ein unterhaltsames Buch eher zum Lesen motiviert als ein langweiliges, ist eine Binsenweisheit. Eine langweilige Binsenweisheit noch dazu. Wenn es so einfach für Leser*innen wäre zu erkennen, ob ihr zukünftiges Buch zu den langweiligen gehört, würden sie ein unterhaltsames wählen. Es sei denn, sie benötigen eine rezeptfreie Einschlafhilfe. Oder sie werden zur Lektüre gezwungen, zum Beispiel von Deutschlehrer*innen, die unterhaltsame Bücher automatisch für niveaulos halten. 

Wer einem Kind ein passendes Buch schenken will, kann dafür die Expertise von Buchhändler*innen nutzen, die geeignete Bücher für jedes Alter und unterschiedliche Interessen empfehlen. Manchmal weicht jedoch das Leseniveau vom Alter ab. Wer langsam liest, fühlt sich durch dicke Bücher in kleiner Schrift möglicherweise abgeschreckt, will aber auch keine Bücher für jüngere Kinder lesen, denn die Interessen sind ja durchaus altersgemäß. Dann können Comicbücher eine gute Wahl sein.

Zwar liegt es nahe, dem fußballbegeisterten Kind ein Fußballbuch zu schenken und der Pferdenärrin ein Pferdebuch. Doch macht ja gerade der Blick in unbekannte, fremde Welten einen Reiz des Lesens aus. Christoph Biemann wundert sich besonders über die Einteilung in Bücher für Jungen und Bücher für Mädchen: »Warum sollte sich ein Junge, der sich in eine Maus hineinversetzen kann, nicht auch in eine weibliche Heldin hineinversetzen können?«

Man muss also keine Ratte sein, um sich mit der Ratte Walter über sein bezauberndes Weihnachtsgeschenk zu freuen. Schwieriger ist es, sich bei 35°C in Weihnachtsstimmung zu versetzen. Erich Kästner reiste mitten im Hochsommer auf die Zugspitze, zur Inspiration für seine Weihnachtsgeschichte »Das fliegende Klassenzimmer«.

Christoph Biemann beschreibt in seinem Buch »Buchstabenzauber. Wie Sie Ihr Kind fürs Lesen begeistern«, dass die Stimmung seiner Ferienlektüre »Der Name der Rose« nicht so recht zum Strandurlaub passte. Er empfiehlt:

»Gruselstorys werden im Dunkeln gelesen, Strandgeschichten im Freien oder – noch besser – auf dem Badetuch unter einem als Sonnenschirm aufgespannten Regenschirm mit Limo und natürlich in Badekleidung.«

In Andreas Steinhöfels Buch »Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch« erkennt Rico sogar Parallelen zwischen der phantastischen Erzählung von Alice im Wunderland und seiner eigenen, ganz realen Klassenfahrt:

»Geschichte von einem Mädchen, das einem weißen Karnickel hinterherflitzt, dabei in ein Loch stürzt und Abenteuer in verschiedenen Körpergrößen erlebt. Alice trifft alle möglichen Leute und Nicht-Leute. Die einen wollen sich mit ihr unterhalten, die anderen wollen ihr den Kopf abschlagen, ein paar denken ständig nur ans Essen, die anderen immer nur ans Schlafen. Genau so war unsere letzte Klassenfahrt im Förderzentrum.«

Wir freuen uns auf Anregung und Empfehlungen von Lehrenden und Lernenden (wer ist das nicht?!) per Mail oder einfach hier im Kommentarfeld.

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