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Ausblick

Das Jahr hat gerade erst begonnen, da sammelt der Mathematiker Michael Kunkel von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften bereits Vorhersagen für das Jahr 2024.

Am Ende des Jahres werden sie ausgewertet. Die Qualität der Prognosen reicht von vagen und vieldeutigen Aussagen bis zu solchen klaren und überprüfbaren Fakten wie das Geschlecht des ersten Kindes von Prinz Harry. Michael Kunkel schreibt: »OK, es war falsch. Aber auch wenn er mit seiner Prognose richtig gelegen hätte, wäre das – bei einer 50-prozentigen Trefferwahrscheinlichkeit – nicht sehr bemerkenswert gewesen.«

Ganz anders diese Vorhersage für den Juli 2019: »In der Zeit vom 8. bis 14 Juli besteht aufgrund mehrerer Spannungsaspekte erhöhtes Krisenpotential. Außerdem sind heftige Debatten und Diskussionen zu erwarten, möglicherweise sogar verbale Entgleisungen, Beleidigungen und Drohungen. Es kann zu Frustrationen, Enttäuschungen und Rückschlägen kommen.«

Im Jahr 2013 trat zum ersten Mal ein Papst zurück. Das hatte niemand vorhergesagt, aber seitdem gehört »Rücktritt des Papstes« zu den regelmäßen Vorhersagen.

2023 hat Michael Kunkel über 200 Prognosen ausgewertet. Die Treffer waren wie üblich rar und trivial. Viele betrafen Promis: Den Singles wird regelmäßig eine Ehe prophezeit, den Paaren die Trennung, jungen Frauen eine Schwangerschaft und älteren Menschen gesundheitliche Probleme. So als würde man Viertklässler*innen einen Schulwechsel vorhersagen und Berufstätigen Mitte 60 den Ruhestand.

Doch nicht nur Astrolog*innen liegen daneben. Wenn Menschen gefragt werden, wie sie sich die Welt in 50 Jahren vorstellen, malen sie sich die Veränderungen spektakulärer aus, als sie tatsächlich sind. Der Schriftsteller Rolf Dobelli schreibt: »Schauen Sie sich um. Sie sitzen auf einem Stuhl – einer Erfindung aus der Zeit der ägyptischen Pharaonen. Sie tragen Hosen, erfunden vor über 5000 Jahren. Ihr Büchergestell (vermutlich Typ ›Billy‹ von IKEA) ist nicht aus Plastik, sondern aus Holz, dem ältesten Baumaterial der Welt.«

Er erklärt das so: »Jede Gesellschaft, die sich ihre Zukunft vorstellt, legt viel zu viel Gewicht auf die aktuellen ›Killer Apps‹. Und jede Gesellschaft unterschätzt die Rolle der althergebrachten Technologien. Die 60er-Jahre gehörten der Raumfahrt, also malten wir uns Schulklassenfahrten auf den Mars aus. In den 50er-Jahren war Plastik angesagt. Also, dachten wir. würden wir in Zukunft in Plastikhäusern leben.«

Der Roman »Homo faber« erschien im Jahr 1957 und darin prophezeit ein Professor: »Sie werden lachen, meine Herren, aber es ist so, Reisen ist ein Atavismus, es wird kommen der Tag, da es überhaupt keinen Verkehr mehr gibt, und nur noch die Hochzeitspaare werden mit einer Droschke durch die Welt fahren, sonst kein Mensch.«

Die Astrolog*innen wissen vielleicht sogar, welche Hochzeitspaare in der Droschke sitzen werden.