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Lernlandschaft

»Vokabelpauken verboten« lautet der Untertitel von Vera Birkenbihls Klassiker »Sprachenlernen leichtgemacht!«  Das erinnert an die großspurigen Versprechen mancher Lehrwerke, Fremdsprachen ganz ohne Mühe und außerdem in Rekordgeschwindigkeit zu lernen. Am besten im Schlaf.

Doch gemeint ist, dass isoliertes Lernen einzelner Wörter viel Zeit und Energie koste, bei mittelmäßigen Ergebnissen – also demotivierend, sofern jemand nicht das Vokabellernen als extravagentes Hobby pflegt. Es kann aber vorteilhaft mit bereits existierenden Hobbys verknüpft werden.

Für Bücherfreund*innen und Kinogänger*innen sind fremdsprachige Literatur und Filme geeignetes Lernmaterial. Ein Kulturfan bucht auch im Inland Museumsführungen in der Zielsprache. Und für Hobbyköch*innen bieten einige Volkshochschulen kulinarische Fremdsprachenkurse wie »Welkom in Nederland – lekker pannekoeken en poffertjes« oder »Brasilianische Süßspeisen – Brigadeiros & Co.« Mit fremdsprachigen Kochbüchern werden Maßeinheiten und Zutaten in einer neuen Sprache gelernt und gleichzeitig, wie man sie verarbeitet und mit welchen Küchengeräten.

Der Sprachdidaktiker Robert Keinschroth (»Sprachen lernen. Der Schlüssel zur richtigen Technik«) empfiehlt, sprachliche Zusammenhänge, logische Strukturen und Sinneinheiten zu lernen, also Wortschatz und nicht einzelne Wörter.

Zahlreiche Adjektive lassen sich graduell abstufen: chilly – cool – fresh – lukewarm – mild – warm – hot

Oder Verben zum Beispiel nach Geschwindigkeit: creep – stroll – walk – run – rush – dash

Das Wiederholen von Nomen kann leicht in den Alltag eingebaut werden: Auf vielen Produkten prangt der Markenname, um Nutzer*innen auf ihren nächsten Einkauf vorzubereiten. Da wir regelmäßig zur Zahnpasta und zum Spülmittel greifen, lassen sich die aufdringlichen Werbebotschaften kaum ignorieren. Einen positiven Effekt hätten dagegen Aufkleber, die daran erinnern, dass wir toothpaste und dish detergent nutzen.

Das mag gewöhnungsbedürftig aussehen und Besucher*innen befremden, doch der eigenwillige Sheldon Cooper aus der Serie »The Big Bang Theory« übertrifft jede Lernlandschaft: »Auf allem, was in seiner Wohnung ist, klebt ein Etikett. Sogar auf dem Etikettiergerät klebt eins, auf dem ›Etikettiergerät‹ steht. Und an dem Etikettiergerät-Etikett klebt ein kleines Etikett, auf dem ›Etikett‹ steht.«

Wir freuen uns auf Anregung und Empfehlungen von Lehrenden und Lernenden (wer ist das nicht?!) per Mail oder einfach hier im Kommentarfeld.

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