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Lesekompetenz
Die Lesekompetenz von Grundschulkindern gilt als eine der zentralen Grundlagen für Bildungserfolg. Alle fünf Jahre wird die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) durchgeführt und zeigt einen Abwärtstrend: Die Leistungen von Viertklässlern sind im Jahr 2021 deutlich zurückgegangen. Ein Viertel der Kinder erreicht das Mindestniveau beim Lesen nicht mehr. Huguette Morin-Hauser vom Verein „Mentor – die Leselernhelfer“ warnt, dass fehlende Lesekompetenz in der Grundschule langfristig alle weiteren Lernprozesse beeinträchtigt, egal ob es um Mathematik, Naturwissenschaften oder gesellschaftliche Themen geht.
Diese Entwicklung ist nicht auf Kinder beschränkt. Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass Menschen in Deutschland im Jahr 2022 im Schnitt nur noch 27 Minuten täglich mit Lesen verbringen. Laut einer Statista-Befragung gaben lediglich 31 Prozent der Deutschen an, innerhalb eines Jahres ein gedrucktes Buch gelesen zu haben.
Eine Analyse der Universität Hamburg aus dem Jahr 2023 kommt zu dem Ergebnis, dass rund jeder fünfte Erwachsene in Deutschland nur eingeschränkt lesen und schreiben kann, also mehr als 10 Millionen Menschen. Sebastian Guggolz vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels verweist auf die Bedeutung von Lesekompetenz für die demokratische Teilhabe. Wer Informationen nicht einordnen kann, ist anfälliger für Desinformation. Der Literaturdidaktiker Christian Dawidowski befürchtet, dass mit sinkender Lesepraxis die Fähigkeit verlorengehe, sich in andere Zeiten und Lebenswelten hineinzuversetzen.
Die Bedeutung des Lesens ist wissenschaftlich gut belegt. Lesen ermöglicht nicht nur Zugang zu Wissen, sondern hat auch messbare kognitive Effekte. Studien aus der Hirnforschung zeigen, dass regelmäßiges Lesen den Wortschatz erweitert, das Abstraktionsvermögen stärkt und das Gedächtnis trainiert. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Menschen, die viel lesen, ein ausgeprägteres Gerechtigkeitsempfinden entwickeln.