transferier.bar
Gedächtnistraining
Lernen wirkt anregend auf die Neubildung von Nervenzellen im Gehirn, das ist bekannt. Der Neurobiologe Martin Korte vergleicht das mit dem sogenannten Matthäus-Prinzip: »Wer hat, dem wird gegeben. Oder anders ausgedrückt: Wer Neues gelernt hat, dem wird weiterer Speicherplatz im Gehirn geschenkt, so wie bei einer Festplatte, die wachsen würde, je mehr sie belegt ist.«
Er stellt die Frage, welche Lernereignisse die Neubildung von Nervenzellen anregen. Schließlich lässt es sich ja kaum vermeiden, täglich Neues zu lernen. »Wie man heute weiß, funktioniert Lernen analog zum Fitnesstraining: Wir bewegen uns jeden Tag und benutzen z.B. beim Heben der Kaffeetasse unseren Bizepsmuskel im Oberarm. Dieser wächst aber nur dann zu einem beträchtlichen Umfang heran, wenn er intensiv trainiert wird. Und auch dies geschieht nur, wenn beim sportlichen Training große Muskelgruppen angesprochen werden. Ähnlich verhält es sich beim kognitiven Training: Bestimmte Übungen trainieren nur ganz gezielt einzelne Areale des Gehirns. Dies gilt für Sudokus ebenso wie für Kreuzworträtsel und auch für die meisten Spielkonsolen, die ›Gehirnjogging‹ im Untertitel führen. Sie trainieren nur Spezialfähigkeiten, in denen man zwar besser wird, je häufiger man die Aufgaben ausführt; auf andere kognitive Tätigkeiten wirken sie sich jedoch nicht aus.«
Im Jahr 2010 beteiligten sich 11000 Proband*innen im Alter zwischen 18 und 60 an der Studie des Neurowissenschaftlers Adrian Owen: Er ließ sie sechs Wochen lang Gehirnjogging trainieren. Das verbesserte zwar die Leistung in kognitiven Tests, übertrug sich aber nicht auf andere Disziplinen. Anders beim Erlernen von Fremdsprachen und Musikinstrumenten: »Außerdem hebt Musizieren den in Intelligenztests vermessenen IQ und steigert (aus noch unverstandenen Gründen) die emotionale Intelligenz. Entscheidend ist, dass das Gehirn dabei nicht nur seine Fertigkeiten hinsichtlich des Musizierens oder der Fremdsprache verbessert, sondern dass diese Art von Gehirntraining so viele Gehirnaufgaben beinhaltet, dass das Gehirn generell profitiert und seine Leistungsfähigkeit auch in nicht sprachlichen Bereichen bzw. auch in nicht musischen Fertigkeiten verbessert, vor allem hinsichtlich der Konzentrationsfähigkeit und der Fähigkeit zum Multitasking.«
Martin Korte empfiehlt ein geistig anspruchsvolles Leben, wodurch das Gehirn automatisch täglich trainiert wird.