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soziale Isolation
Soziale Zugehörigkeit gilt in der Psychologie als fundamentale menschliche Motivation. Roy Baumeister und Mark Leary beschreiben das sogenannte »need to belong« als eines der stärksten und universellsten menschlichen Grundbedürfnisse. Wird dieses Bedürfnis verletzt, reagiert der Organismus mit weitreichenden kognitiven Veränderungen.
Das menschliche Gehirn ist evolutionär darauf ausgelegt, soziale Signale ernst zu nehmen. Die Botschaft »Du gehörst nicht dazu« ist für das Gehirn ein Alarmsignal. Über Jahrtausende der menschlichen Evolution bedeutete Ausgrenzung aus der Gruppe eine ernsthafte Bedrohung für das Überleben. Das Gehirn reagiert darauf entsprechend: Es schaltet in einen Modus, der mit konzentriertem Lernen wenig zu tun hat.
Lernen erfordert die Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. In Experimenten zeigte sich: Personen, die zuvor soziale Ausgrenzung erfahren hatten, waren deutlich schlechter darin, relevante Informationen aus einem Strom von Reizen herauszufiltern. Sie hörten nicht richtig zu, weil das Gehirn gerade mit etwas anderem beschäftigt war.
Außerdem ist Lernen anstrengend. Wer eine schwierige Aufgabe bearbeitet, muss trotz Frustration weitermachen. Diese Ausdauer ist keine Charakterfrage, sondern eine kognitive Ressource, die verbraucht werden kann. Ausgeschlossene Personen gaben in Experimenten bei frustrierenden Aufgaben deutlich früher auf als nicht ausgeschlossene.
In einem der Experimente wurde etwas Bemerkenswertes entdeckt: Wenn ausgeschlossene Personen während einer Aufgabe vor einem Spiegel saßen, verschwand der Leistungseinbruch fast vollständig. Sie konzentrierten sich plötzlich genauso gut wie nicht ausgeschlossene Personen. Die Ausgrenzung führt dazu, sich selbst aus dem Blick zu verlieren. Wer ausgeschlossen wird, vermeidet es instinktiv, über sich selbst nachzudenken, weil das unangenehm ist. Aber genau diese Selbstwahrnehmung ermöglicht den Abgleich zwischen aktuellem Verhalten und angestrebten Zielen. Ohne diesen Abgleich kann man das eigene Verhalten nicht korrigieren. Das ist der Grund, warum fehlende Selbstwahrnehmung das Lernen blockiert.