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Anti-Flynn-Effekt

Die Medien stürzen sich auf diese Nachricht: »Gen Z offiziell zur dümmsten Generation erklärt« oder »Intelligenz im Sinkflug«, lauten die reißerischen Überschriften. Der Neurowissenschaftler Jared Cooney Horvath formuliert es sachlicher: »Die Generation Z ist die erste Generation in der modernen Geschichte, die bei standardisierten akademischen Tests schlechter abschneidet als die vorherige.« Testteilnehmende, die zwischen 1996 und 2010 geboren sind, erzielen in Tests zur Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Lese- und Schreibfähigkeit, Rechenfertigkeiten, exekutive Funktionen und dem allgemeinen Intelligenzquotienten schlechtere Werte als ihre Eltern.

Das macht sie nicht zur dümmsten Generation, aber der zuvor jahrzehntelange Anstieg der durchschnittlichen IQ-Werte stagniert. Benannt ist dieser Effekt nach dem amerikanischen Politologen James Flynn. Vermutet wurde, dass der Flynneffekt durch verbesserte Bildung, Ernährung und ein komplexeres, abstraktes Denken verursacht wurde. Die beobachtete Umkehrung wird Anti-Flynn-Effekt genannt.

Allerdings ist der Vergleich zwischen Generationen schwierig, weil Unterschiede durch altersbedingte Veränderungen innerhalb einer Lebensspanne entstehen können oder durch die unterschiedlichen Umweltbedingungen, unter denen jede Generation aufgewachsen ist.

Die Seattle Longitudinal Study verfolgt seit Jahrzehnten dieselben Menschen und zusätzlich neue Geburtskohorten, um zu untersuchen, wie sich Intelligenz und andere kognitive Fähigkeiten im Erwachsenenalter entwickeln. Die Studie zeigte erstmals, dass viele kognitive Fähigkeiten bis ins mittlere Erwachsenenalter stabil bleiben oder sogar weiter ansteigen.

Das erklärt, warum frühere Querschnittsstudien starke Altersverluste fanden: Sie verglichen ältere Menschen, die unter schlechteren Bedingungen aufwuchsen, mit jüngeren, die bessere Startbedingungen hatten.