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Lesen und Mathematik
In der Schule wirken sich Teilleistungsschwächen selten nur auf ein Fach aus. Durch sinnerfassendes Lesen lassen sich die unterschiedlichsten Wissensinhalte erarbeiten, und gerade für das Fach Mathematik ist es entscheidend, Arbeitsanweisungen sorgfältig zu lesen, um die Fragestellung zu erkennen und irrelevante Details auszublenden. Wer Mathematik lernen will, braucht also nicht nur Zahlenverständnis, sondern auch eine tragfähige sprachliche Grundlage
Schwierigkeiten im Leseverständnis können zu vermeintlichen Rechenschwierigkeiten führen. Tatsächlich beruhen die Fehler aber auf unzureichender Informationsentnahme aus dem Text und nicht auf mangelndem mathematischen Verständnis.
Lesekompetenz spielt eine größere Rolle für den Mathematikunterricht, als vielen bewusst ist.
Da mathematisches Wissen meist schriftlich vermittelt wird, profitieren besonders lesestarke Schülerinnen und Schüler von Lehrbüchern, Arbeitsblättern und digitalen Materialien. Sie können Erklärungen und Beispiele eigenständig verstehen oder gezielte Rückfragen stellen. Dadurch lernen sie deutlich selbstständiger und effizienter. Leseschwächere Kinder haben es dagegen schwerer, weil sie oft schon beim Entziffern der Aufgabenstellung ins Stocken geraten. Wenn wichtige Informationen im Text übersehen oder missverstanden werden, kommt der eigentliche mathematische Denkprozess gar nicht erst in Gang. Viele dieser Schülerinnen und Schüler brechen die Bearbeitung ab und warten auf Hilfe, bevor sie überhaupt mit dem Rechnen beginnen. Für Lehrkräfte ist es dann schwierig, herauszufinden, wo genau das Verständnisproblem liegt.
Besonders deutlich wird die Bedeutung von Lesekompetenz bei Textaufgaben. Hier müssen Lernende zunächst die reale Situation verstehen, bevor sie sie in mathematische Begriffe übersetzen können. Dieser erste Schritt basiert fast vollständig auf sprachlichem Verstehen. Wer den Text nicht erfasst, kann kein tragfähiges mathematisches Modell entwickeln. Mathematische Modellierung bedeutet, eine reale Fragestellung in der Sprache der Mathematik auszudrücken. Modellierungsprozesse, wie sie in der Mathematikdidaktik beschrieben werden, beginnen daher mit dem Lesen und Verstehen der Aufgabenstellung.