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Resilienz
Resilienz ist in aller Munde: Sie wird nicht nur wissenschaftlich erforscht, sondern auch von der Wellness-Industrie gepriesen. In den Medien wird über Menschen berichtet, die nicht aufgeben oder in schwierigen Situationen das Positive sehen. Die American Psychological Association definiert Resilienz als einen fortlaufenden Prozess des persönlichen Wachstums durch die Herausforderungen des Lebens.
Emily Ronay Johnston ist Professorin für Schreibwissenschaft an der University of California und erforscht, wie Menschen das Schreiben nutzen, um ihre Resilienz zu stärken. Viele ihrer Studierenden nutzen das geschriebene Wort als Mittel gegen Stress. Inzwischen kann die Neurowissenschaft erklären, warum das so ist.
In den 1980er Jahren entwickelte der Psychologe James Pennebaker eine therapeutische Methode, die er »Expressives Schreiben« nannte und mit der er Patient*innen bei der Verarbeitung von Traumata unterstützte. Das fortlaufende Schreiben hilft, eine mentale Distanz zu belastenden Erfahrungen zu schaffen. Schreiben schafft Sicherheit und verstaut den Schmerz in einem metaphorischen Buch, das ins Regal gestellt und zu einem späteren Zeitpunkt geöffnet werden kann. Dem Gehirn wird damit signalisiert, dass es sich damit aktuell nicht zu beschäftigen braucht. Das Schreiben hilft also dabei, den Geist zu befreien.
Es handelt sich um eine komplexe geistige Aufgabe, Gefühle und Gedanken in Worte zu übersetzen und zu Papier zu bringen. Erinnerungen werden abgerufen und ausgewählt. Das aktiviert Gehirnareale, die für das Gedächtnis und die Entscheidungsfindung zuständig sind. Gehirnscans zeigen, dass das Benennen und Ausdrücken von Gefühlen hilft, die Amygdala zu beruhigen und den präfontalen Cortex zu aktivieren, der Zielsetzung und Problemlösung unterstützt. Das bewirkt einen Wechsel vom automatischen Reagieren zum gezielten Handeln. Gefühle werden dann nicht mehr für Tatsachen gehalten.
Durch das Schreiben können Menschen nicht nur miteinander kommunizieren, sondern sich selbst besser verstehen. Schreiben ist eine Form des Denkens und hat das Potenzial, den Geist neu zu formen. Fünf erprobte Tipps können dabei helfen:
1. Schreiben mit der Hand. Die Handschrift erfordert mehr kognitive Koordination, so dass Informationen besser verarbeitet werden.
2. Täglich schreiben. Eine Gewohnheit entsteht schon durch kurze tätgliche Notizen, die Grübeleien reduzieren.
3. Erst schreiben und dann reagieren. Das Schreiben unterstützt reflektiertes Denken und absichtsvolles Handeln.
4. Briefe schreiben, ohne sie abzuschicken. Der Text wird nicht nur aufgeschrieben, sondern an eine bestimmte Person gerichtet.
5. Schreiben ist ein Prozess. Tägliches Üben und Rückmeldungen stärken das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Resilienz wird dadurch so alltäglich und selbstverständlich wie Tagebuchschreiben.