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kulturfaire Tests
Leistungstests sind ein Spiegel der Gesellschaft, in der sie entstehen. Sie können Ungerechtigkeiten verstärken oder im Gegenteil den Fokus auf die Fähigkeiten selbst legen und irrelevante Eigenschaften ausblenden. So wie Blindvorspiele hinter einem Vorhang, bei denen alle Bewerber*innen für ein Orchester gehört, aber nicht gesehen werden und dadurch allein nach ihrer musikalischen Leistung ausgewählt werden.
Die britische Komikergruppe »Monty Python« arbeitete jahrelange mit der BBC zusammen, die immer wieder zur Zielscheibe der Komiker wurden. Pinguine seien eindeutig intelligenter als Programmplaner der BBC. Doch Eric Idle kritisiert den Vergleich: »Diese IQ-Tests sollen angeblich eine ungerechte kulturelle Voreingenommenheit gegenüber dem Pinguin enthalten. So wurde zum Beispiel das extrem schlechte Bildungssystem des Pinguins nicht berücksichtigt.«
Nicht nur in der Welt von Monty Python werden kulturfaire Tests favorisiert, die so gestaltet sind, dass sie möglichst wenig von Sprache, kulturellem Hintergrund oder Bildung abhängen. Ziel ist, alle Menschen (und Pinguine?) unabhängig von Herkunft, Kultur oder Sprache fair und vergleichbar zu testen. Diese Tests verwenden vor allem non-verbale, bildhafte Aufgaben, wie zum Beispiel geometrische Formen, Matrizen oder Mustererkennung, die keine spezifischen Sprach- oder Kulturkenntnisse voraussetzen.
Für Menschen mit unterschiedlicher Muttersprache sind sprachfreie Tests ein erster Schritt, wie auch Monty Python feststellte: »Die Pinguine konnten kein Englisch und waren daher nicht in der Lage, die Antworten zu geben. Dieses Problem wurde in der nächsten Versuchsreihe gelöst, indem man den Pinguinen und einer zufällig ausgewählten Gruppe nicht-englischsprachiger Menschen unter den gleichen Bedingungen dieselben Fragen stellte.«
Beide Gruppen erzielten identische Ergebnisse: Sie konnten keine einzige Aufgabe lösen, weil sie gar nicht verstanden, was sie tun sollten. Sprachfreie Tests sind deshalb so entwickelt, dass sie komplett ohne geschriebene oder gesprochene Sprache auskommen. Sie nutzen Aufgaben, bei denen nur visuelle oder logische Fähigkeiten gefragt sind, wie Reihen fortsetzen, Figuren zuordnen oder Matrizen vervollständigen. Damit sollen Ergebnisse nicht durch Sprachverständnis verzerrt werden, was vor allem für Menschen mit anderen Muttersprachen, geringeren Sprachkenntnissen oder gehörlose Personen relevant ist.
Sprachfreie Tests konzentrieren sich auf die Ausschaltung von Sprache, während kulturfaire Tests darüber hinausgehen und versuchen, jegliche kulturelle Bevorzugung zu vermeiden. Kulturfaire Tests sind somit immer auch sprachfrei, aber nicht jeder sprachfreie Test ist automatisch kulturfair.